Ein Film zur Lage der Nation

Die Lego-Movies haben mittlerweile, ähnlich wie die der Minions, Kultstatus erreicht, und entsprechend werden sie in allen Formen, Farben und Längen produziert und vermarktet. Nach Lego 1 und Lego-Batman ist nun Lego 2 an der Reihe. Die anfängliche Frische ist etwas verloren gegangen, aber immerhin bleiben die Detailtreue und die vielen Anspielungen auf andere Filme.

Wer den ersten Film gesehen hat, weiss, dass hinter der Legowelt ein Familienvater steht, der seine Legosteinchen im Keller perfekt verbaut und dann verklebt. Am Ende des Films dürfen dann aber auch die Kinder mitspielen, und hier beginnt der zweite. Man braucht kein Kinderpsychologe zu sein, um zu merken, wer wann spielt: Dystopische Postapokalypse, Warp-Antrieb, Dinosaurier: Das ist der Junge. Schöne Raumschiffe, Bomben aus Herzchen, weinende Legoklötzchen und die Königin, die alles kann und alles ist: Das ist das Mädchen, etwa fünf Jahre jünger als ihr Bruder. Das Ganze ist ziemlich stereotyp den Geschlechtern entlang aufgebaut – aber nur in der realen Welt. Im Legoland ist er der Tauchsieder und sie die Kriegerin, das Einhorn wird richtig böse und die Dinos sind verspielt wie Hundewelpen.

Die Geschichte angelt sich einer Entführung der Protagonisten durch Aliens entlang, die aussehen, als hätte Steve Jobs sie designt. Natürlich stehen Freunde füreinander ein, natürlich werden die HeldInnen gerettet, natürlich entspinnt sich am Ende alles als ein Missverständnis. Natürlich.

Aber: Wenn man zwischen den Zeilen liest bzw. zwischen den Steinen schaut, dann entdeckt man eine Allegorie auf die amerikanische Gesellschaft der Gegenwart. Wer ist in diesem extrem zerschnittenen Land wirklich der oder das Böse, und wer sind die Guten? Ist das, was nett aussieht, auch tatsächlich nett, und umgekehrt: Kann das Hässliche denn nur das Böse sein? Gute Ideen und heldenhafte Unternehmen sprechen für sich, aber was, wenn sich am Ende herausstellt, dass sie das Gegenteil dessen bewirken, was sie eigentlich wollen?

Ein Film zur Lage der Nation: Muss die amerikanische Gesellschaft so geteilt sein? Gibt es keine Alternativen? Und was, wenn man sie nicht findet: Wäre dann der grosse amerikanische Traum ausgeträumt?

Regie: Mike Mitchell
Originalstimmen: Chris Pratt, Elizabeth Banks, Will Arnett, Tiffany Haddish, Stephanie Beatriz, Alison Brie, Nick Offerman, Charlie Day, Maya Rudolph
Filmlänge: 107 min.
Version: Edf

Ab 7. Februar 2019 im Kino

Copyright Bild: Warner Bros. Entertainment

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