Trolls macht glücklich!

Es war einmal eine Marketingidee: kleine, süsse, nackte Plastikpüppchen mit langen Haaren. Dazu lassen sich Kleider verkaufen und Kämme und Mäschchen, und die Kinder-, oder doch wohl vor allem die Mädchenherzen springen höher.

Und weil das Marketing zwar erfolgreich, aber nach ein paar Jahren dann doch etwas verbraucht ist, kommt nun der Film. In der Regel ist das keine gute Idee, sondern einfach der Versuch, eine klinisch tote Idee künstlich länger am Leben zu halten. Nicht aber in diesem Fall – dieser Film ist gut, gut gemacht und macht erst noch glücklich. Was für ein seltenes Zusammenkommen wertvoller Prädikate!

Die Geschichte ist schnell erzählt: Die Trolls sind musikbegeisterte, immerfröhliche, tanzsüchtige und stets liebevolle Männchen und Weibchen im Wald, die sich jede Stunde umarmen und darum rundum glücklich sind. Ganz anders die Bergen, eine Horde miesepetriger, hässlicher, verdrossener und verbitterter Ungetüme, deren grösster Wunsch es ist, einen Troll zu fressen, um selbst etwas an deren Glück teilzuhaben. Es folgt die übliche Jagd, das Aufdecken des Verstrecks, die Rettungsaktionen, die Transformationen der Bösen in Gute und der Hoffnungslosen in Hoffnungsvolle. Nichts, was man nicht schon gesehen oder nicht hätte vorhersagen können.

Aber es ist nicht die Geschichte, die den Film so gut macht. Zum einen ist er formal unglaublich schön gemacht, man hat den Eindruck, die Figuren und die Landschaft sind aus lebendigem Plüsch, die Detailtreue, die Innovativität, die liebevolle Kreativität sind kaum zu schlagen. Was für ein Wurf!

Zum anderen ist die Musik nicht einfach ein Hintergrundelement unter anderen, sondern wesentlicher Teil des Films, denn die Trolls leben von und mit und in der Musik. Moderne Songs und Klassiker aus den 60ern, 70ern und 80ern gehen so harmonisch mit der Geschichte einher, dass man nicht genug davon bekommen kann. Und schliesslich ist es dieses ansteckende Glücklichsein der Trolls, das auf den Kinobesucher übergeht. Die Hauptaussage des Films, dass das Glück nichts ist, was man sich einverleiben, sondern nur in sich selbst finden kann, ist eine Binsenwahrheit, aber sie wird im Transformationsprozess der Bergen von trollfressenden Monstern zu zwar noch immer hässlichen, aber durch die Musik und die Liebe trotzdem glücklichen Wesen überzeugend vermittelt.

Hier findet sich, zwar versteckt und nur implizit, ein religiöses Element: Menschen, oder eben Trolls und Bergen, sind dazu geschaffen, glücklich zu werden, sie finden dieses Glück aber weder im Konsum noch von sich aus, sondern erst in der Begegnung mit anderen. Die Musik spielt dabei die Rolle einer Vermittlerin zwischen den Arten und auch zwischen den Individuen, theologisch gesprochen ist sie das Wirken des Geistes. Und das ist, wie der Film zeigt, unwiderstehlich.

Wer nicht glücklich aus diesem Film in den Alltag geht und dieses Glück nicht nur im Kinosaal, sondern auch im eigenen Leben suchen und finden will, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.

 

Dreamworks, Warnerbros 2016, 1h 33m

Erscheinungsdatum: 19. Oktober 2016, ab 6 Jahren

Musik von: Christophe Beck / Justin Timberlake

Story: Erica Rivinoja

EDF, 2/3D

Bildrechte Dreamworks

 

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