Inferno – und wieder rennt er, um die Welt zu retten

Tom Hanks gibt zum dritten Mal Professor Robert Langdon, das alter Ego des Autors Dan Brown. Wer wäre schon nicht gerne so klug und schlau wie Langdon? Hanks spielt, wie Hanks eben spielt, da gibt es nicht viel zu erwähnen, ausser vielleicht seinem zunehmendem Alter und seinem – schauspielerisch gut gemacht – zunehmenden Unwillen, immer wieder von neuem Prügel einzustecken. Mehr Entwicklungspotenzial hat die Figur des Detektivprofessors nicht. Das liegt nicht am Regisseur oder seinen Schauspielern, das liegt an der Selbstverliebtheit von Dan Brown.

Wie immer in den Romanen und ihren Verfilmungen wird Langdon kontaktiert, wenn wieder einmal irgend so ein skrupelloser Superschurke – super bös, aber auch super schlau – die Welt zerstören will. Statt dies jedoch sofort zu vollbringen, legt er eine Krümelspur wie einst Hänsel und Gretel, allerdings nicht im Wald, sondern durch Kunst und Kultur.

Brown geht davon aus, dass niemand ausser Langdon – also ihm selbst – diese Hinweise entschlüsseln kann, weil niemand so belesen und kulturbeflissen ist. Und so staunt der dümmliche Zuschauer über die Fülle an Wissen und Gelehrsamkeit, gepaart mit Prügeln, schönen Frauen und hinterhältigen Verwirrspielen. Am Ende geht es gut aus. Das war auch für uns mit unserem bescheidenen Horizont absehbar.

Für die Inferno-Episode befinden wir uns in Florenz, dann in Venedig und zum Schluss in Istanbul. Die Jagd gilt dem exzentrischen Milliardär Dr. Zobrist – ein Name wie aus einem James Bond. Er ist ein als Gutmensch getarnter Psychopath, der die Welt retten will, indem er mit einem Killervirus 85% der Weltbevölkerung ausrottet. Das Virus versteckt er und legt seiner Geliebten eine Spur für den Fall, dass er ermordet wird, was dann auch der Fall ist. Dieser Spur folgt Langdon im Kugelhagel verschiedener Player, die ihm nicht trauen, ihn unterschätzen oder das Virus selbst wollen.

Trotz allem: Der Film ist unterhaltsam, gut gespielt, ordentlich gemacht, spannend, führt uns an schöne Orte und betont der Wert klassischer Bildung. Die ethische Frage, ob die Überbevölkerung mit einem globalen Genozid gestoppt werden kann – und wichtiger noch: gestoppt werden soll! – kommt leider zu kurz. Ein schnelles Nein im Namen der Humanität genügt für einen Disney-Film. Dass die Frage nicht ganz so einfach zu beantworten ist, zeigt ein Blick auf 99% der Lebewesen dieses Planeten, die mit Sicherheit froh darüber wären, wenn es mit dem Menschen, dieser Pestbeule an Mutter Erdens Busen, endlich zu Ende ginge. Schade, ein längeres Gespräch mit dem schlauen und guten Professor wäre hier vielleicht hilfreich gewesen. Und interessant. Und wegweisend.

 

Regie: 
Ron Howard

Mit:  
Tom Hanks, Felicity Jones, Omar Sy

Dauer: 121min, EDF

Kinostart: 13.10.2016

Im Verleih von The Walt Disney Company (Switzerland) GmbH, Bildrechte ebd.

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