Schwere Vorwürfe wegen Gewalt gegen Christen im Kongo

Nach der blutigen Niederschlagung von friedlichen Demonstrationen katholischer Christen hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) der Regierung des Kongo vorgeworfen, die Meinungs- und Religionsfreiheit zu missachten und vollkommen unangemessene Gewalt gegen die Zivilbevölkerung einzusetzen.

„Wenn Gläubige von Sicherheitskräften an der Teilnahme an heiligen Messen gezielt gehindert werden, Polizisten in Kirchen Tränengas einsetzen und Priester und Messdiener verhaftet werden, dann verspielt Kongos Staatspräsident Joseph Kabila jede Glaubwürdigkeit“, erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius am Neujahrstag in Göttingen. „Diese Gewalt gegen friedlich demonstrierende Christen ist schlimmer als zu Zeiten des gefürchteten Diktators Mobutu.“ Bei der Niederschlagung der Proteste wurden am Silvestertag mindestens acht Menschen getötet und 82 Personen festgenommen. Unter den Verhafteten befanden sich auch zwei Priester und 12 Messdiener.

Die Koordination des katholischen Laien-Komitees (CLC), die den landesweiten Protest katholischer Christen organisiert hatte, verurteilte den „unangemessenen Gewalteinsatz gegen friedliche Demonstranten“. „Ich verstehe nicht, wie friedliche Menschen Ziel einer solchen Repression werden können, wie wir sie erlebt haben“, erklärte die CLC-Sprecherin Leonie Kandolo. Die CLC geht von mindestens zehn Toten bei dem Polizeieinsatz gegen die von den Behörden verbotene Demonstration aus.

Die Christen wollten nach der Messe in Demonstrationszügen die vollständige Umsetzung des von den Bischöfen des Landes im Dezember 2016 vermittelten Abkommens fordern, das einen Regierungsverzicht Kabilas im Jahr 2017 vorsah. Insbesondere besteht die CLC auf der Forderung, dass der amtierende Präsident nicht erneut für dieses Amt kandidiert. Doch Kabila, dessen Amtszeit offiziell am 20. Dezember 2016 endete, denkt nicht an einen Amtsverzicht und ließ erst in der letzten Woche Neuwahlen für den 23. Dezember 2018 ankündigen.

Katholische Gläubige der Gemeinde Sankt Michael im Viertel Bandalungwa im Zentrum der Hauptstadt Kinshasa reagierten schockiert auf den Einsatz von Tränengas während der Messe in ihrer Kirche. Ältere Gläubige fielen bewusstlos zu Boden und mussten von Sanitätern behandelt werden, berichteten Augenzeugen. Aber trotz des Polizei-Einsatzes setzte der Pfarrer dieser Gemeinde seine Messe fort. In der Kathedrale Notre-Dame du Congo in dem im Norden Kinshasas gelegenen Viertel Lingwala musste jedoch eine Messe abgebrochen werden, als Polizisten bei der Ankunft eines Oppositionspolitikers Tränengas im Vorraum der Kirche einsetzten.

Quelle: ots/Presseportal, Copyright Logo: Gesellschaft für bedrohte Völker e.V.

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