Dark Tower: Leider nein.

Dass die Welt nicht das ist, was sie zu sein vorgibt, ist ein Klassiker in der Romanliteratur. Spannung ist garantiert, die Aufdeckung des Rätsels oft überraschend, und Sehnsüchte nach anderen Welten entfalten sich von selbst. Dass dieses Motiv in den letzten Jahren aber für beinahe sämtliche dunkle Science-Fiction und sonstige dystopische Filme hat herhalten müssen, macht es um so schwieriger, wirklich etwas Neues zu zeigen. Und das schafft auch „The Dark Tower“ nach einer Romanvorlage des Grossmeisters Stephen King nicht.

 

Ein Teenager, böse Träume, überforderte Kollegen und Psychiater, und die Ahnung, dass das, was er nachts sieht, mehr ist als nur Schall und Rauch. Viel mehr. Und so passiert das Unvermeidliche: Jake macht sich auf die Suche nach der Welt seiner Träume, findet ein Portal und schlüpft hindurch. Er landet auf einer Erde, die ähnlich aussieht wie die unsere, ausser dass vor langer Zeit eine Katastrophe die Menschheit offenbar fast aufgerieben hat.

Und dann ist da auch Roland Deschain, gespielt vom sonst glänzend agierenden Idris Elba, der Revolvermann, der mit dem Verstand schiesst und mit seinem Herzen tötet. Er ist der letzte seiner Art und muss den dunklen Turm beschützen, der das Universum zusammenhält. Denn von dessen Zerstörung hat Jake geträumt, und zusammen machen sich die beiden auf, den Mann in Schwarz, Walter O’Dim, aufzuhalten, denn er ist es, der mit der Zerstörung des Turms Chaos und Dunkelheit über die Welten bringen will.

Soweit ist das recht spannend, und wie immer in solchen Filmen dauert es eine Weile, bis man den Plot verstanden hat. Aber dann passiert das, was leider so oft passiert: Der Plot wird nicht weiter verarbeitet, es bleibt für die, die die literarische Vorlage nicht gelesen haben, unklar, wo dieser Turm ist, weshalb er die Mitte des Universums bildet, woher der schwarze Mann kommt, wer ihm seine Macht verliehen hat undsoweiterundsofort. Statt dessen wird der Showdown unaufhaltsam, dafür aber sehr absehbar heruntergespult: Die Helden stellen sich dem Schurken, dieser gewinnt die Oberhand, am Ende zieht einer der Guten ein Ass aus dem Ärmel und rettet die Welt überraschend und plötzlich, aber doch so, dass eine Fortsetzung möglich wäre. Das ist, auch wenn es technisch gut gemacht ist, im besten Fall nur langweilig. Bisweilen ist es gar ärgerlich.

Zur schauspielerischen Kunst: Der Revolvermann ist argwöhnisch, schlecht gelaunt und wortkarg, der Schurke zynisch und gefühlskalt, der Teenager emotional überfordert, dafür aber anhänglich. Wie gehabt also, und leider sehr eindimensional: Das gesamte Personal bleibt engmaschig in der Rolle gefangen und schafft es nicht, auch nur eine Nuance hinzuzufügen, die das Stereotyp durchbrechen würde.

Schade, Idris Elba mag ich sonst gut. Aber hier nicht.

 

Cast: Idris Elba, Matthew McConaughey

Regie Nikolaj Arcel

Sprache: Ed, 2D

Länge: 94 Min

Kinostart 10. August 2017

 

Bildmaterial: Sony Pictures

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