Trotz Pandemie bleiben Kirchen hoffnungsorientiert

Die Kirche ist herausgefordert, in dieser Krisenzeit ihren Auftrag zu überdenken. Sie muss kreative Wege finden, um ihrer Aufgabe trotz Einschränkungen gerecht zu werden. Genau darin liegen auch Chancen. Wie gehen die evangelischen Landes- und Freikirchen in der Deutschschweiz bis heute mit dieser Situation um und wie sehen sie die Zukunft? Umfrageantworten aus rund 250 Kirchgemeinden sowie ein Thinktank mit 60 Kirchenverantwortlichen bieten ermutigende Einsichten.

Die Schweizerische Evangelische Allianz SEA befragte vom 23. September bis 20. Oktober Kirchenleiterinnen und -leiter zur Corona-Pandemie. Dabei kommen bei allen Herausforderungen auch positive Begleiterscheinungen zum Ausdruck: die Stärkung des persönlichen Glaubens der einzelnen Kirchenmitglieder, des sozialen Engagements der Kirche sowie der Solidarität innerhalb der Gemeinschaft. Auf der anderen Seite nennen die Befragten ähnlich häufig negative Auswirkungen wie den Rückgang der Besucherzahlen, Spannungen in der Beurteilung der Vertrauenswürdigkeit von verschiedenen Informationen zur Pandemie oder das Sichtbarwerden einer Konsummentalität in der Kirche.

Weiter zeigt sich, dass sich die Kirchen im Frühling schnell und auf kreative Weise auf die neue Situation eingestellt hatten: Anstelle der Präsenz-Gottesdienste entstanden neue Formen von Verkündigung und Austausch. So übertrugen rund zwei Drittel der Umfrageteilnehmer ihre Gottesdienste über Livestream, andere führten Gottesdienste als Videokonferenz durch oder verbreiteten Kurzandachten über Chats. Vermehrt gab es nachbarschaftliche Hilfsprojekte vor Ort, persönliche Gespräche per Telefon und Treffen in kleinen Gruppen.

Gute Verfassung, stabile Spenden
Die befragten Kirchenverantwortlichen bezeichnen die allgemeine Verfassung sowohl der Kirchenmitglieder als auch der -leitung überwiegend als gut, zum Teil sogar als sehr gut. Erfreulich ist auch, dass die Spendeneingänge 2020 bei fast der Hälfte der Kirchen im Vergleich zum Durchschnitt früherer Jahre stabil ist. Jede zehnte Kirche berichtet von einer Zunahme, jede vierte von einem Rückgang.

Kirche hier und jetzt gestalten
Neben der Rückschau und Standortbestimmung soll der Blick auch nach vorne gehen. Zu diesem Zweck führten der Dachverband Freikirchen.ch und die Schweizerische Evangelische Allianz gemeinsam mit verschiedenen Partnern eine Online-Veranstaltung mit rund 60 Verantwortlichen aus Kirchen und christlichen Organisationen durch. Ausgehend von vier Kurzreferaten aus Wissenschaft und Praxis wurden in Kleingruppen Stossrichtungen identifiziert und diskutiert, was die gegenwärtige Krise für Auftrag und Rolle der Kirche nach innen wie aussen bedeutet. «Ein Zurück zum normalen Kirchenalltag gibt es so schnell nicht wieder. Viele wollen nicht warten, sondern hier und jetzt Kirche gestalten und leben. Gerade deshalb wurden die fundierte Reflexion und der Austausch inmitten der ‹zweiten Welle› sehr geschätzt», sagt Andi Bachmann-Roth, Generalsekretär der SEA.

Ein Statement von Prof. Dr. Stefan Schweyer, einem der Referenten, fasst die vielfältigen Impulse der Veranstaltung gut zusammen:

«Corona ist zwar in der Mitte der Kirche angekommen, aber Corona ist nicht die Mitte der Kirche. Die Mitte ist Jesus Christus.»

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