Haiti: Vier Wochen nach Hurrikan „Matthew“ – Kindernothilfe befürchtet Verschärfung der Katastrophe

Fast 14 Stunden lang wütete Hurrikan „Matthew“ am 4. Oktober über den Süden von Haiti. Der achtjährige Pierre-André hat den extremen Sturm und anschliessenden Starkregen zwar überlebt, aber er und seine Familie stehen jetzt vor dem Nichts: „Die Ernten der Menschen sind ebenso zerstört, wie die Häuser und Fischerboote“, sagt Kindernothilfe-Mitarbeiter Jürgen Schübelin, der soeben aus Haiti zurückgekehrt ist.

In Pierre-Andrés Familie sind zwar keine Todesopfer zu beklagen – trotzdem sind viele Kinder schwer traumatisiert. Die Kindernothilfe errichtet daher Kinderschutzzentren, sie liefert Nahrungsmittel und Material und beteiligt sich am Wiederaufbau.

Jürgen Schübelin, langjähriger Kindernothilfe-Referatsleiter für Lateinamerika und die Karibik, bezeichnet die Situation als hochdramatisch: Mit 1,4 Millionen Betroffenen sei das Ausmass der Katastrophe vergleichbar mit dem Erdbeben 2010. „Die Starkregen lassen kaum nach. Im Süden stehen fast keine Bäume und Bananenstauden mehr. In den Küstenregionen im Nordwesten sind die wichtigen Salinen komplett überflutet. Es ist wirklich herzzerreißend!“

Anders als vor sechs Jahren spielen sich jedoch die schlimmsten Tragödien ganz im Süden und Nordwesten, fernab von jeder Öffentlichkeit, ab. „Dabei ist rasche Hilfe jetzt so wichtig“, sagt Schübelin. Die größte Zerstörung herrscht in den ländlichen Regionen und trifft, wie so oft, besonders die ärmsten Familien -und die körperlich schwächeren Kinder. Die Angst vor Cholera ist weiterhin sehr begründet, da es an sauberem Trinkwasser mangelt.

Obwohl überflutete Straßen und kaputte Brücken den Transport von Materialien und Hilfsgütern erschweren, konnte die Kindernothilfe um Port-á-Piment und Coridon insgesamt 16 Schutzzentren für Kinder errichten. 2.000 Mädchen und Jungen wie Pierre-André werden hier betreut und versorgt.

Mütter aus Selbsthilfegruppen-Projekten der Kindernothilfe bereiten das Essen zu. Neben der Soforthilfe steht der Wiederaufbau im Mittelpunkt: Eine zerstörte Berufsschule, aber auch Salinen und Gärten werden wieder aufgebaut. „Die Menschen in Haiti haben einen erneuten, ganz schweren Schicksalsschlag erlitten, aber es nicht alles verloren“, betont Schübelin. „Die Haitianer in den Katastrophengebieten haben den Willen und die Kraft, um ihr Überleben und um die Zukunft ihrer Kinder zu kämpfen. Aber sie brauchen unsere Unterstützung.“

Quelle: ots/Presseportal, Copyright Logo: Kindernothilfe

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