Herodes der Grosse – aus anderer Perspektive

Herodes der Grosse aus anderer Perspektive

 

Jürgen Zangenberg, Professor für Geschichte und Kultur des Antiken Judentums und Frühen Christentums an der Universität Leiden in Holland hat einen wunderbaren Band über Herodes den Grossen herausgegeben. Über jenen Herodes nota bene, den wir als Tyrannen zur Zeit von Jesu Geburt kennen, jener Herodes also, der den Kindermord in Bethlehem befohlen hat. Es gibt wohl nur wenig geschichtliche Persönlichkeiten, deren Ruf so schlecht ist wie der des Herodes.

 

Zu Recht? Oder zu Unrecht? Moralische Urteile in historischer Perspektive sind immer schwierig, und post eventum machen wir es uns oft zu leicht mit dem Verurteilen. Zangenbergs sehr aufwändig gestaltete Arbeit macht deutlich, dass es zu Herodes bedeutend mehr zu entdecken gibt. Während seiner ganzen, ungeheuer langen Regierungszeit kämpfte er um Anerkennung: Als ehemaliger Ausländer – sein Vater war Edomiter – wurde er von den Juden in Israel nicht als einer der Ihrigen anerkannt, und im Durcheinander sich schnell und blutreich abwechselnder hellenistischer Gross- und Kleinkönige der Region galt es, sich permanent gegen die Ansprüche der anderen zu behaupten. Und schliesslich war niemand König, dem es die Römer nicht erlaubt hätten, waren sie doch die Herren der Gegend und der Welt. Hier also ein Buhlen um die Liebe des Volkes, dort ein waffenstarrendes Austarieren von Herrschaftsansprüchen, und über allem die zuweilen fast schon peinlich wirkenden Devotionsgesten gegeben über dem Kaiser.

 

Diese Situation prägt den Regenten. Sie erklärt vieles, ohne es zu rechtfertigen oder schönzumalen. Das ist der Charakter des Buches: Darstellen, erklären, ins rechte Licht rücken, aber nicht verklären, beschönigen oder glorifizieren. Es ist eine gute, abgerundete Darstellung – objektiv wird auch sie nicht sein, aber zumindest versucht sie, es möglichst zu erreichen.

 

Der reich bebilderte und aussergewöhnlich schön gemachte Band lässt verschiedene Spezialisten zu Wort kommen und deckt zahlreiche Aspekte ab: Das Verhältnis zum Machthaber in Rom, die Alltagskultur in Palästina, den Tempel(um)bau, die architektonischen Höchstleistungen des Herodes, die christliche Rezeption des Herodesfigur uam. So entsteht ein Panoptikum politischer, sozialer, kultureller und religiöser Verhältnisse um die Zeitenwende, das in ihrer Übersichtlichkeit, Verständlichkeit und Unterhaltsamkeit ihresgleichen sucht.

 

 

Zangenberg, Jürgen (HG): Herodes, König von Judäa

 

ISBN: 9783805349505

Hardcover

Erscheinungsdatum: 11. April 2016

€ 24.95

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