Filmrezension: Money Monster

Es fängt an wie ein normaler Hollywood-Streifen: Die Hauptpersonen werden vorgestellt im Umfeld ihrer Arbeit. Kontraste sind schnell aufgebaut, gut und böse verteilt, und die Geschichte könnte beginnen. Doch dann kommt es ganz anders.

Jodi Foster ist eine der interessantesten Figuren in Hollywood, sowohl als Schauspielerin wie auch, wie hier, als Regisseurin. Für Money Monster ist es ihr gelungen, sowohl George Clooney wie auch Julia Roberts zu gewinnen. Er gibt den Talkmaster, der der Nation reisserisch die Börse und den Kapitalmarkt erklärt, sie die Frau im Hintergrund, die in der Regie die Sendung macht – mit seinem Geschwätz, manchmal auch trotz oder sogar gegen sein Geschwätz. Bald wird klar, dass sie bedeutend mehr auf dem Kasten hat als er, aber sein Gesicht verkauft sich besser.

Und dann taucht ein Typ mit Kaputzenpullover auf, betritt die Bühne, legt zwei Schachteln hin und zückt einen Revolver. Und alles wird anders. Was bisher wie eine amüsante, semikritische Medienschelte wirkt, wird plötzlich zum knallharten Wirtschaftsthriller. Knallhart aber nicht etwa, weil geballert und gekokst wird, sondern weil die Finanztransaktionen an der Wallstreet ins Visier genommen und gnadenlos gebrandmarkt werden.

Der Typ mit der Knarre hat sein ganzes Erbe in Aktienpakete investiert, die plötzlich nichts mehr wert sind, und in seiner Verzweiflung sucht er die Öffentlichkeit der Wirtschaftsshow, um auf seine Misere aufmerksam zu machen. Dabei geht es ihm nicht primär um seine Person, sondern um Gerechtigkeit für die kleinen Leute gegenüber dem Koloss eines undurchschaubaren Systems, das Millionen genauso ruchlos generiert, wie es sie vernichtet. Mit dem Revolver und einem Sprengstoffgürtel will er sich Gehör verschaffen. Fast der ganze Film spielt in einem kleinen Studio. Das verleiht ihm einen ganz besonderen Reiz: Die Enge des Raumes wird zur Enge des Lebens, die Entscheidung über Leben und Tod hängt an einem dünnen Kabel.

Regisseurin Jodi Foster setzt ganz bewusst auf ihre beiden Hauptdarsteller Clooney und Roberts, die, wie zu erwarten, hervorragend spielen. Der abgefeimte Moderator, dem es nur um Show und Kohle geht, wird konfrontiert mit der Realität des kleinen Mannes, die ihm bisher völlig egal war. Und das macht etwas mit ihm. Und Roberts als Regisseurin zieht im Hintergrund die Fäden, wobei sie immer mehr realisiert, dass sie die Kontrolle völlig verloren hat. Grosses Theater!

Der Schluss ist bewegend, oder besser: verstörend. Und das hat nichts zu tun mit dem Schicksal des Jungen mit der Knarre. Es ist ein tiefer Stich in die Seele des Zuschauers, der sich allen Ernstes fragen muss, ob er wirklich Zuschauer bleiben will, oder ob es nicht endlich an der Zeit wäre, den Hintern aus dem Sessel zu bewegen und zu handeln.

 

Money Monster

Regie: 
Jodie Foster

Cast: George Clooney, Julia Roberts, Jack O’Connell

Dauer: ca. 99min

USA 2016,

Verleih: The Walt Disney Company, Switzerland

Kinostart: 26. Mai 2016

Copyright Filmplakat: The Walt Disney Company, Switzerland

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