Johannes Calvin Humanist, Reformator, Lehrer der Kirche

calvin Ein kleines Buch, das es in sich hat!

Autor: Christian Link
Publisher: Theologischer Verlag Zürich (2009)
Binding: Taschenbuch, 76 pages

Ein kleines Büchlein leistet dabei sehr gute Dienste: „Johannes Calvin“ von Christian Link. Obwohl sehr dünn, bietet es alles, was man sich wünscht: Eine kurze Biographie, die vor allem das Werden des Reformators beleuchtet, ein Abriss der historisch-kirchlichen Situation und ein genauer Blick auf die wichtigsten Themen und Thesen von Calvins Werk. Dabei gelingt es Link, auf hohem Niveau sehr viel Inhalt auf sehr wenigen Seiten darzustellen. Werdegang und ZeitgeschehenDeutlich zeigt er, dass Calvin eigentlich hätte Humanist und Privatgelehrter werden wollen, der es durchaus mit Erasmus von Rotterdam aufnehmen konnte, auf Drängen der Freunde dann aber Kirchelehrer wurde. Aber in welcher Zeit? Zwingli war tot, Luther alt, die Protestanten zerstritten und die katholische Kirche zum Gegenschlag gewappnet. Calvins Kirche ist eine Kirche der Verfolgten, die Widerstand leistet, die sich jeden Tag neu bewusst wird, dass ihre Existenz nicht selbstverständlich ist, sondern erkämpft werden muss. Entsprechend ist Calvins Theologie nicht nur Glaubensgrundlage, sondern immer auch Anleitung zur Entsprechung im tätigen Leben: Der Glaube hat sich in der Welt zu bewähren, in einer derart feindlichen Welt sowieso. Gute PerspektiveEs ist ein Verdienst Links, dass er Calvins Werk aus dieser Perspektive interpretiert, denn so wird sein Drang zur Praxis, seine manchmal auch harte Unnachgiebigkeit und seine sich der Wahrheit bewusst seiende Geradlinigkeit verständlich: Calvin ist nicht ein harter Mensch mit strengen Prinzipien, vielmehr lebte er in harten Zeiten mit strengen Vorgaben. Das hat ihn geprägt und auch sein Werk, durch und durch. Aber gerade dies macht ihn so einzigartig und so fruchtbar und interessant für die Gegenwart. Viele Themen – wichtige KlarstellungenDer zweite Teil des Buches widmet sich den Grundpfeilern von Calvins Theologie, und auch hier überzeugt Link mit einer treffenden Auswahl an Themen und deren akkuraten Interpretation. Gotteserkenntnis als Ausgangspunkt von Glauben und Denken, die Frage nach dem Wesen der Kirche, Prädestination und Ethik sind Themen, die hier behandelt werden. Gerade die beiden letzten werden oft – aber zu Unrecht – als Herzstück einer typisch calvinistischen, unerbittlichen Theologie missverstanden. Link zeigt, dass Calvins Prädestination keineswegs einfach nur die Erwählung zum Guten oder Verwerfung zu ewiger Höllenstrafe enthält, sondern in sich viel differenzierter ist. Ebenso falsch ist die weit verbreitete Annahme, Calvin sei der Autor der sog. „protestantischen Arbeitsethik“, wonach sich die Tiefe der Glaubens im Wert der geleisteten Arbeit zeige. Link weist deutlich darauf hin, dass diese Vorstellungen mit wenig bis nichts mit Calvin zu tun haben. Es tut gut, aus berufenem Munde zu hören, wie es eben wirklich ist! Links Büchlein ist kurz (keine 80 Seiten), aber sehr dicht, auf hohem Niveau geschrieben, und sie fordert vom Leser einiges an Konzentration und Sachkenntnis. Aber gerade dies sind ja die Bücher, die wir lesen wollen:Sie fordern und fördern uns, sie räumen auf mit Vorurteilen und vertiefen auf engem Raum. Es verpasst etwas, wer sich dieses Buch entgehen lässt!

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