
Eigentlich hätte es ein gutes Buch werden können, denn sein Thema, den Glauben nicht nur nachzubeten, sondern ihm auch nachzudenken, ist so aktuell wie eh und je. Aber leider bleibt es beim „Eigentlich“, denn das, was
Horst Spittler („Bibel, Jesus, Gott und Kirche – den Glauben verstehen“) aus dieser Vorgabe gemacht hat, ist missglückt. Es ist nicht so, dass das Buch keine brauchbaren Passagen aufwiese, aber es ist so, dass man sich beinahe jedesmal, wenn Spittler theologisch argumentiert und nicht nur historisch, fragen muss, ob er denn wirklich eine Ahnung davon hat.
Ob die Evangelien zB. biographischen Charakter haben, lässt sich nicht nur mit historischen Unstimmigkeiten in Mk 1-9 klären, und wenn Offenbarung und Glaube als „zwei Seiten ein und derselben Sache“ bezeichnet werden, dann ist damit eine differenzierte Verhältnisbestimmung zu schnell weggewischt. Dass bei der Darstellung der „historischen Fakten“ im Leben Jesu dessen Wirken gar nicht genannt wird, ist eine beinahe unverzeihliche Unterlassung, und die Behauptung, „dass sich Jesu Vorstellung von der Gottesherrschaft weitgehend mit der seiner jüdischen Zeitgenossen deckt“, ist schlicht und einfach falsch. Im Kapitel über Gott wird dieser von einem personale Gegenüber zu einer „Macht, die sich zwischen Menschen ereignet“, das Gebet für Frieden wird zum Versuch, „sich aus der eigenen Verantwortung zu stehlen“, die Beichte ist ebenso unnötig wie bestehende Kirchenformen kein „notwendiger Bestandteil christlichen Glaubens“ sind, was aber nicht verwundert, wenn der Glaube nur noch eine „Möglichkeit ist, die ... Wirklichkeit zu interpretieren.“ Christliche Existenz als frömmelige Philosophie und Jesus ihr Sokrates? Was soll man dazu sagen? Vielleicht dies: Nicht alles, was Spittler schreibt, ist falsch, aber viel zu viel.
Horst Spittler: Bibel, Jesus, Gott und Kirche
Den Glauben verstehen.
23 Abbildungen und Tabellen.
ISBN: 3525600062
Vandenhoeck + Ruprecht 2007 kart.,176 S.
CHF 28.90
Rezension: Dr. Christoph Schluep, Pfarrer EMK Zürich 4