Die Jesus-Mythen: Sensationen und Legenden

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Autor: Bernd Kollmann
Publisher: Verlag Herder (2009)
Binding: Gebundene Ausgabe, 200 pages

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Jesusmythen auf dem Seziertisch

Bernd Kollmann ist Geisterjäger der besonderen Art: Er jagt alten und neuen Märchen um Jesus nach. Und demontiert sie sachgerecht - außer sie sind wirklich wahr.Kollmann ist Professor für Neues Testament an der Universität Siegen und schon daher professionell mit antiken Texten vertraut. Im vorliegenden Buch "Jesus-Mythen: Sensationen und Legenden" wirft er einen genauen Blick auf Geschichten über Leben und Sterben von Jesus, die nicht im neuen Testament überliefert sind, sondern in ausserkanonischen Evangelien oder ähnlich obskuren Schriften. Und obwohl man eigentlich schon lange weiss, dass solche Erzählungen fast ausschließlich Produkte der Phantasie sind, haben sie ihre Faszination über Jahrhunderte erhalten. Anziehende VerschwörungstheorienDenn gerne möchte man doch glauben, dass es diese geheime, von der mächtigen Kirche erfolgreich unterdrückte Wahrheit gibt, von der nur wenige Eingeweihte wissen, die aber die ganze Kirchengeschichte umschriebe, käme sie nur endlich ans Tageslicht. Verschwörungstheorien haben seit Jahrhunderten eine ungeheure Anziehungskraft, in der Kirche und ausserhalb der Kirche. Die eigentlich lächerliche Frage, ob die Mondlandung vor 40 Jahren tatsächlich stattgefunden habe, ist nur ein aktuelles Beispiel. Jesus: Kind eines römischen Soldaten?Solchen Geiheimgeschichten nun fühlt Kollmann auf den Zahn. Nicht aber als besessener Inquisitor, der keinen Fingerbreit Abweichung von seiner Wahrheit zulässt, sondern nüchtern, wissenschaftlich und trotzdem unterhaltsam. Er zeigt auf, woher die Geschichten stammen, wann sie entstanden, wie sie sich entwickelten und was davon zu halten ist. Man muss kein Kenner der Materie sein, um die Zusammenhange zu verstehen, denn Kollmann erklärt ebenso genau wie einsichtig. Ein ebenso amüsant wie interessant zu lesendes Buch!Zum Inhalt: War Jesus das Kind des römischen Legionärs Panthera, wie schon früh in jüdischen Schriften behauptet wurde? Oder zog Jesus nach einer Scheinkreuzigung nach Indien und wurde ein großer Guru, dessen Grab noch heute gezeigt wird? Ging der Falsche ans Kreuz, gibt es Akten des Pilatus, der seine Erlebnisse beim Prozess Jesu beschreiben? Oder hat Dan Brown gar recht mIt seinem Da-Vinci-Code, nach dem Jesus mit Maria Magdalena ein Kind hatte, deren Nachkommen noch heute leben? Selbstverständlich stimmt das alles nicht, aber warum? Kollmann klärt auf, und es entsteht eine spannende Geisterjagd durch die Jahrhunderte.Nicht alles sind MythenGelegentlich kann jedoch auch Kollmann nicht alles als Fabel und Erfindung erweisen, so zum Beispiel beim Grabtuch von Turin, der Mutter aller Reliquien. Er zeigt, dass zahlreiche Indizien dafür sprechen, dass das Tuch tatsächlich aus dem Palästina des ersten Jahrhunderts nach Christus stammt und um einen Gekreuzigten gewickelt war. Also doch keine Fälschung, wie Rom noch heute behauptet! Aber wie kam das Bild ins Tuch? Gemalt ist es nicht, auch nicht gewoben oder gedruckt. Kollmann gesteht ein: Wir wissen es schlicht und einfach nicht. Zeigt es Jesus? Möglich wäre es...Dieses Buch ist eine faszinierende Lektüre, voller Rätsel, Intrigen und Erklärungen, die manches ins Rechte Licht rücken.Fazit: Unbedingt empfehlenswert.