Die Grundbotschaft des Alten Testaments

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Autor: Alfons Deissler
Publisher: Verlag Herder (2006)
Binding: Taschenbuch, 208 pages

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Und dann wird alles klar!

Seine „Grundbotschaft des Alten Testaments“ ist ein kompaktes, inhaltsreiches, kohärentes und verständliches Werk, das dem Titel entsprechend nicht seitenlang Details abhandelt und darüber den Zusammenhang aus den Augen verliert, sondern sich auf das Wesentliche konzentriert und damit eine wichtige Lücke schliesst. Detailuntersuchungen und Monographien zu Einzelproblemen finden sich zuhauf, aber nur wenigen gelingt es wie Deissler, auf 150 Seiten die grossen Linien, Traditionsstränge und Themenkomplexe des „Ersten Testaments“ übersichtlich darzustellen. Deissler geht dabei thematisch vor: Auf grundsätzliche Fragen zur Bedeutung und Auslegungsgeschichte des Alten Testaments folgen Gedanken zur „Un-weltlichkeit“ Jahwes, dessen Wesen den weltlichen Erfahrungsbereich und den sozialen Sprachbereich des Menschen transzendiert. Aber gerade in dieser Transzendenz offenbart sich Jahwe den Menschen in der Geschichte, und gerade diese Selbstoffenbarung wird zum Kennzeichen des jenseitigen Gottes. Dementsprechend entwirft Deissler seine Theologie des ATs als Offenbarungsgeschichte Gottes, die sich quasi als Brennpunkt in der Geschichte Jahwes mit dem Volk Israel fokussiert. Deissler bespricht nicht einzelne Bücher, sondern Offenbarungstraditionen, in denen sich das Wirken Gottes manifestiert. Jahwe ist „Gott für Welt und Mensch“, niemals nur abstraktes „Es“, sondern immer ein „Ich“, das das „Du“ sucht und so zum „Wir“ wird. Schöpfung, Namensoffenbarung, Urgeschichte, Exodus und Sinaioffenbarung, Propheten, Weisheitsschriften und Priestertraditionen sind solche Traditionsstränge, anhand derer Deissler die Offenbarung darstellt. Der Tour d’horizont, den der Autor anstrebt, gelingt: Er deckt die Breite und die Vielfalt des AT ab, ohne dabei der Kürze der Darstellung wesentliche Inhalte opfern zu müssen. Deissler versteht es gekonnt, die Kluft zwischen diachroner und synchroner Textauslegung zu überwinden, indem er der Entwicklungsgeschichte der Texte (= diachrone Auslegung) genügend Gewicht verleiht, ohne dabei die Bedeutung der Texte in ihrer Endfassung, wie sie uns heute vorliegt (= synchrone Auslegung), zu reduzieren. Es entsteht ein spannendes Geflecht aus historischer Zuordnung, literarischer Archäologie, geschichtlichem Bedeutungswandel und gegenwärtiger Bedeutungssetzung. Man merkt mit jedem Wort, dass das Alte Testament für Deissler keineswegs zum Alteisen gehört, sondern in eminenter Weise in die heutige Zeit spricht. Dies unterstreicht der Autor, indem er am Ende den „dunklen Aspekten“ des ATs ein eigenes Kapitel widmet und die Fragen, die man stellen muss, auch wirklich stellt: Was hat Gottes Zorn auf sich? Was seine kriegerische Natur in einigen Texten? Wie sind die Fluchpsalmen zu verstehen, in denen der Beter nichts so sehr von Gott erwünscht wie die totale Vernichtung seiner Feinde? Es ist nicht zu übersehen, dass wir hier bei den schwierigsten Fragestellungen des Alten Testaments angelangt sind, und so ist es auch nicht verwunderlich, wenn Deissler um Antworten ringt und nicht alle Erwartungen erfüllen kann. Manchmal genügt eine historische Relativierung oder ein Verweis auf die Marginalität der Aussage eben nicht. Trotzdem ist das Buch von Deissler beeindruckend übersichtlich und tiefgründig. Es ist nicht nur Experten verständlich, sondern auch interessierten Laien und vermeidet den breiten Überblick zugunsten eines tiefen Einblicks in das Wesen und den Kern der alttestamentlichen Gottesaussagen und –vorstellungen. Wer also die Essenz aus 1000 Jahren Literaturgeschichte auf 1000 Seiten Text sucht, ist mit dem Buch von Deissler wohl beraten.