Zweite Weltkonferenz über interreligiösen und interzivilisatorischen Dialog in Makedonien
Vom 6. bis 9. Mai 2010 fand in der Nähe der altehrwürdigen südmakedonischen Stadt Ohrid die zweite Weltkonferenz über Dialog zwischen Religionen und Zivilisationen statt. Sie wurde vom makedonischen Kulturministerium und der Kommission für die Beziehung zwischen den Religionen organisiert und von einigen internationalen Organisationen mitfinanziert, unter anderem von der UNESCO, der spanischen Regierung und einer jüdischen Holocaust-Organisation. Neben den höchsten Vertreterinnen und Vertretern der makedonischen Regierung und der religiösen Gemeinschaften Makedoniens waren fast 500 politische, religiöse und akademische Leitungspersönlichkeiten aus rund 30 Ländern eingeladen.
Die internationale methodistische Delegation war verhältnismässig gross, da die Evangelisch-methodistische Kirche in Makedonien eine nicht unwesentliche Rolle in diesem von Albanien, Bulgarien, Griechenland, dem Kosovo und Serbien umgebenen Land spielt. Methodistinnen und Methodisten aus Bulgarien, England, Makedonien, Österreich, Serbien, aus der Schweiz und aus den Vereinigten Staaten waren zugegen. Bischof i.R. Heinrich Bolleter hielt als Vertreter der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche eine der «keynote addresses», in der er für eine christliche Kultur der Hoffnung plädierte, die ein wesentliches Gegengewicht gegen eine diagnostizierte «Kultur der Entrüstung» sein kann. Dieser Weltkongress ist die Fortsetzung einer Tradition, die der 2004 bei einem Flugzeugunglück tragisch ums Leben gekommene ehemalige Präsident Makedoniens, Boris Trajkovski, ins Leben gerufen hatte. 2001 stand Makedonien aufgrund gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen ethnisch-religiösen Gruppen am Rande eines Bürgerkriegs. Vor allem die Spannungen zwischen muslimischen Albanern und christlich-orthodoxen Makedoniern belasten das Zusammenleben der Zivilgesellschaft Makedoniens. Als Reaktion auf die Unruhen berief der Methodist Trajkovski 2003 eine erste internationale Konsultation ein, um gemeinsam mit internationalen Partnern nach einer nachhaltigen Lösung für die gespannte Lage zu suchen. Diesem ersten Treffen folgte 2007 die erste Weltkonferenz über Dialog zwischen Religionen und Zivilisationen. Die im Mai 2010 abgehaltene zweite Weltkonferenz bestand vor allem aus öffentlichen Präsentationen politischer und religiöser Leitungspersönlichkeiten Makedoniens, einer grossen Anzahl kurzer Reden internationaler Gäste und mehreren von der makedonischen Regierung arrangierten Empfängen, bei denen es die Gelegenheit zum informellen Gespräch gab. Dabei erscheint die blosse Anwesenheit sowohl des makedonisch-orthodoxen Patriarchen als auch des leitenden Ulama der albanischen Muslime Makedoniens bei derselben Konferenz als bedeutend. Auch die Anwesenheit einer so grossen Anzahl von Repräsentantinnen und Repräsentanten verschiedener Nationen, religiöser Gemeinschaften und akademischer Disziplinen war ein beeindruckendes Zeugnis von der grundlegenden Bereitschaft des makedonischen Staates, Interreligiosität und Interkulturalität im Interesse des gesellschaftlichen Friedens zu fördern. Am Fehlen direkter Gespräche und Diskussionen zwischen Vertreterinnen und Vertretern der christlich-makedonischen Mehrheit und der albanisch-muslimischen Minderheit Makedoniens war aber für Aussenstehende auch unschwer abzulesen, wie stark die Spannungen zwischen den Volksgruppen noch sind und wie weit man noch von einem wirklichen Dialog entfernt ist. Unter anderem zeigen sich diese Spannungen in den konfliktreichen Verhandlungen und Auseinandersetzungen über Kirchen- bzw. Moscheenbauprojekte der respektiven Volksgruppen. Während muslimisch-albanische Stimmen kaum zu hören waren, legitimierten Vertreterinnen und Vertreter der makedonischen Regierung ihre Bereitschaft zum Dialog überraschend einmütig von ihrer christlichen Überzeugung her. Die nächste Weltkonferenz zum interreligiösen und interzivilisatorischen Dialog in Makedonien ist für 2013 anberaumt. Ein internationales Vorbereitungsteam bestehend aus 23 politischen, religiösen und akademischen Repräsentantinnen und Repräsentanten ist während der zurückliegenden Konferenz ernannt worden. Professor Michael Nausner von der Theologischen Hochschule in Reutlingen ist eines der Mitglieder dieses internationalen Vorbereitungsteams. Quelle: Professor Michael Nausner, Reutlingen/Deutschland / Bischof i.R. Heinrich Bolleter

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