Die meiste Arbeit wird unbezahlt geleistet
Ende Oktober tagte in Bern die Frauenkonferenz des Schweizerisch Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Rund sechzig Frauen trafen sich zum Thema „Care Ökonomie in Zeiten der Finanzkrise – Verantwortung und Aufgabe für die Kirchen“.
Brigitte Schnegg, Leiterin des Interdisziplinären Zentrums für Frauen-und Geschlechterforschung der Universität Bern, definierte „Care-Arbeit“ als freiwilligen Arbeit, die sehr breit gefächert ist. Care-Arbeit ist Einsatz für andere, Betreuung, Pflege aber auch Haushaltsarbeit und Unterstützung für Menschen, die darauf angewiesen sind.
Darin eingeschlossen ist die übliche Familienarbeit wie kochen, putzen, einkaufen, die Betreuung der Kinder und Jugendlichen vom frühen Morgen bis in die Nacht. Die Pflege von erkrankten und behinderten Familienmitgliedern gehört so selbstverständlich dazu wie die Begleitung und Pflege von alt gewordenen Eltern.
Das sind alles Arbeiten, die meist ohne Aufsehen von Ehefrauen, Müttern und Töchtern getan wird. Care Arbeit bedeutet aber nicht nur das Betreuen von Mitmenschen, sondern auch das Mögen und Zuneigung Empfinden, das Zugetan-Sein über den Familienkreis hinaus. Care-Arbeit stillt somit ein Grundbedürfnis und ist gleichzeitig ein Auftrag im Christsein.
Die Ökonomin Mascha Madörin zeigte auf, dass der ökonomische Wert der unbezahlten Arbeit oft übergangen wird: „Das Generationengewäsch kann man nur im Munde führen, weil die Freiwilligenarbeit nicht gezählt wird.“
Frauen leisteten 3,5 Mal mehr Steuern in Form von unbezahlter Arbeit als alle Unternehmen zusammen in der Schweiz Steuern bezahlten.
Ausserdem seien Frauen im erwerbstätigen Alter im europäischen Vergleich insgesamt ausserordentlich viel freiwillig tätig. Daraus ergebe sich ein grosser Beitrag an Steuern und Sozialversicherungen.
Oft werde behauptet, dass nur die Jungen für die Alten zahlten, sagte Madörin. Eine Studie zeige aber auf, dass dies so nicht stimme.
Es seien vor allem ältere Frauen, die unbezahlte (Pflege-)Arbeit an mittelalterlichen und älteren Personen leisteten. „Da gibt es keinen Generationenkonflikt.“ Dieses Reden über den Generationenkonflikt spiegle eine rein finanzielle Sichtweise des gesunden, voll erwerbstätigen Mannes wieder.
Care Ökonomie beruhe auf einem anderem Konzept als das herkömmliche wirtschaftliche Denken, unterstrich Madörin. Männer leisteten zwei Drittel bezahlte, und einen Drittel unbezahlte Arbeit.
Bei den Frauen sehe das gerade umgekehrt aus, sie leisteten zwei Drittel unbezahlte und einen Drittel bezahlte Arbeit. Care-Arbeit sei eine Notwendigkeit in einer modernen, wirtschaftlich weit entwickelten Gesellschaft.
Autorin: Susanne Rickenbacher

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