EMK-Pfarrer zur Minarett-Einweihung eingeladen

Viel Applaus erhielt Stefan Moll, Pfarrer der EMK Kirche Zofingen, für seine Rede an der Einweihungsfeier des umstrittenen Minaretts in Wangen. Muslime und Christen müssten die Religionsfreiheit gemeinsam verteidigen, unterstrich Moll. Selbstverständlich könne die Religionsfreiheit nicht mit einem Minarett oder Kirchturm errungen werden.
„Religionsfreiheit lebt von der gegenseitigen Anerkennung und vom Respekt“, betonte der EMK-Pfarrer. Das Interesse aneinander sei ein wesentlicher Beitrag, diese Freiheit zu erhalten. Als Christ fühle er sich, so Moll, dem Gebot Jesu zur Nächstenliebe verpflichtet. „Ich hoffe, dass Sie mich – auch wenn ich Christ bin – immer als einen Freund wahrnehmen“, sagte er zu den 200 vorwiegend türkischstämmigen Gästen.
Mustafa Karahan, Präsident des Türkisch-kulturellen Vereins, betonte in seiner Ansprache zur Einweihung, dass die Integration eines der wichtigsten Ziele des Vereins sei. Das Minarett verstehe er als ein Beitrag zur Integration. Mehr als ein Drittel der Vereinsmitglieder seien heute Schweizer. Für sie bedeute es viel, sich in der Nähe ihres Wohnortes und in ihrer Heimat in einer Moschee mit Minarett treffen zu können.
Karahan unterstrich, dass das Ziel Integration, nicht aber Assimilation sei. Der Türkisch-kulturelle Verein, der das muslimische Gemeinschaftzentrum mit dem neu errichteten Minarett in Wangen betreibt, wurde 1978 gegründet und setzt sich für die türkischsprechende Bevölkerung in der Region ein. Es werden Deutschkurse und weitere Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten.
Die Organisatoren der Einweihung bedauerten es, dass kaum jemand von der Bevölkerung der Region an der Einweihung des Minaretts teilgenommen hat. Auch Politiker, Behördenmitglieder und die Vertreter der Landeskirchen liessen sich grösstenteils entschuldigen.
Das symbolische Minarett auf dem Dach des Gemeinschaftszentrums im Industriequartier beim Bahnhof Wangen war Anfang Jahr mit einem Kran installiert worden. Es ist rund vier Meter hoch. In der Schweiz gibt es bisher vier Minarette, neben Wangen in Genf, Zürich und Winterthur. In Langenthal ist ein Gesuch hängig.
Quelle: Stefan Moll, EMK-Pfarrer in Zofingen / Barbara Streit-Stettler / rna / sda


