Ein kleines Buch, das es in sich hat!
Johannes Calvin Humanist, Reformator, Lehrer der KircheChristian Link
EUR 13,20
Ein kleines Büchlein leistet dabei sehr gute Dienste: „Johannes Calvin“ von Christian Link. Obwohl sehr dünn, bietet es alles, was man sich wünscht: Eine kurze Biographie, die vor allem das Werden des Reformators beleuchtet, ein Abriss der historisch-kirchlichen Situation und ein genauer Blick auf die wichtigsten Themen und Thesen von Calvins Werk. Dabei gelingt es Link, auf hohem Niveau sehr viel Inhalt auf sehr wenigen Seiten darzustellen.
Werdegang und Zeitgeschehen
Deutlich zeigt er, dass Calvin
eigentlich hätte Humanist und Privatgelehrter werden wollen, der es
durchaus mit Erasmus von Rotterdam aufnehmen konnte, auf Drängen der
Freunde dann aber Kirchelehrer wurde. Aber in welcher Zeit? Zwingli war
tot, Luther alt, die Protestanten zerstritten und die katholische
Kirche zum Gegenschlag gewappnet. Calvins Kirche ist eine Kirche der
Verfolgten, die Widerstand leistet, die sich jeden Tag neu bewusst
wird, dass ihre Existenz nicht selbstverständlich ist, sondern erkämpft
werden muss. Entsprechend ist Calvins Theologie nicht nur
Glaubensgrundlage, sondern immer auch Anleitung zur Entsprechung im
tätigen Leben: Der Glaube hat sich in der Welt zu bewähren, in einer
derart feindlichen Welt sowieso.
Gute Perspektive
Es ist ein Verdienst Links, dass er
Calvins Werk aus dieser Perspektive interpretiert, denn so wird sein
Drang zur Praxis, seine manchmal auch harte Unnachgiebigkeit und seine
sich der Wahrheit bewusst seiende Geradlinigkeit verständlich: Calvin
ist nicht ein harter Mensch mit strengen Prinzipien, vielmehr lebte er
in harten Zeiten mit strengen Vorgaben. Das hat ihn geprägt und auch
sein Werk, durch und durch. Aber gerade dies macht ihn so einzigartig
und so fruchtbar und interessant für die Gegenwart.
Viele Themen – wichtige Klarstellungen
Der zweite Teil des
Buches widmet sich den Grundpfeilern von Calvins Theologie, und auch
hier überzeugt Link mit einer treffenden Auswahl an Themen und deren
akkuraten Interpretation. Gotteserkenntnis als Ausgangspunkt von
Glauben und Denken, die Frage nach dem Wesen der Kirche, Prädestination
und Ethik sind Themen, die hier behandelt werden. Gerade die beiden
letzten werden oft – aber zu Unrecht – als Herzstück einer typisch
calvinistischen, unerbittlichen Theologie missverstanden. Link zeigt,
dass Calvins Prädestination keineswegs einfach nur die Erwählung zum
Guten oder Verwerfung zu ewiger Höllenstrafe enthält, sondern in sich
viel differenzierter ist. Ebenso falsch ist die weit verbreitete
Annahme, Calvin sei der Autor der sog. „protestantischen Arbeitsethik“,
wonach sich die Tiefe der Glaubens im Wert der geleisteten Arbeit
zeige. Link weist deutlich darauf hin, dass diese Vorstellungen mit
wenig bis nichts mit Calvin zu tun haben. Es tut gut, aus berufenem
Munde zu hören, wie es eben wirklich ist!
Links Büchlein ist kurz (keine 80 Seiten), aber sehr dicht, auf hohem
Niveau geschrieben, und sie fordert vom Leser einiges an Konzentration
und Sachkenntnis. Aber gerade dies sind ja die Bücher, die wir lesen
wollen: Sie fordern und fördern uns, sie räumen auf mit Vorurteilen und
vertiefen auf engem Raum. Es verpasst etwas, wer sich dieses Buch
entgehen lässt!
Christian Link: Johannes Calvin
Humanist, Reformator, Lehrer der Kirche
TZV 2009, kartoniert, 76 Seiten
ISBN: 3290175103
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