Als Kind hatte ich grossen Respekt

vor Negern. Immer wieder einmal sass da einer in unserem Wohnzimmer, diskutierte mit meinem Vater auf Französich übers Geschäft und schenkte mir ein Lächeln und ein nettes Wort. Dann lernte ich, "Neger" sei falsch das seien "Schwarze". Und dann war plötzlich auch "schwarz" falsch, die Neger wurden "farbig" und aus den ergreifenden Negro-Spirituals von Mahalia Jackson sülzige Gospels zur Ankurbelung des Weihnachtsgeschäfts.
Zigeunermusik liebte ich auch. "Zigeuner" sind jetzt aber Roma und Sinti. Und Mani Matters Eskimo, der sich für zwei Flaschen Lebertran ein noch gut erhaltenes Cembalo kaufte, ist jetzt ein Inhuit. Der reimt sich zwar auf kein auch nur halbwegs vernünftiges Musikinstrument mehr, dafür frisst ihn der Eisbär nun politisch korrekt. Warum haben die Neger, die Zigeuner und die Eskimos ihre stolzen Namen nicht behalten? Weil das Bleichgesicht diese negativ besetzt hatte. "Nigger", "Neger" oder "Zigeuner" verwendeten wir als Schimpfwörter und Eskimo heisse "Fleischfresser", was ja ebenfalls ein Schimpfwort sein muss, zumal in Europa und den USA fast ausschliesslich Vegetarier leben. Auch "Türke" machten wir einst zum Schimpfwort, leiteten sogar ein Verb daraus ab und sagten etwa, ein Spiel sei getürkt. Aber die Türken wechseln deshalb ihren Namen nicht. Natürlich nicht! Weshalb? Weil nicht das schlechte Gewissen europäischer und amerkikanischer Sozialromantiker darüber entschied, sondern sie selber.