Neues vom Nachtvogel

Und flog davon

Den Vogel hatte, vor ziemlich genau zehn Jahren, Andy Schindler. Er fragte mich, als er noch bei "Kirche und Welt", der Evangelisch Methodistischen Hauszeitschrift arbeitete, mich, den partei- und konfessionslosen Freund, ob ich unter einem Pseudonym Satiren schreiben wolle.

Das tat ich zuerst als "Lamm" in der Satire "Lamm und Fromm". Der "Fromm", das war damals ein gewisser Hans Lanz, seines Zeichens Methodistenpfarrer und Freund von mir, das darf man heute wohl so offen sagen, denn es ist ja längst alles verjährt, was wir um die Jahrtausendwende so von uns gegeben haben. Manchmal schrieben wir auch etwas kompliziert, sorry im Nachhinein, ich war frisch im Metier; Hans war da schon routinierter.

Als Kind hatte ich grossen Respekt

vor Negern. Immer wieder einmal sass da einer in unserem Wohnzimmer, diskutierte mit meinem Vater auf Französich übers Geschäft und schenkte mir ein Lächeln und ein nettes Wort. Dann lernte ich, "Neger" sei falsch das seien "Schwarze". Und dann war plötzlich auch "schwarz" falsch, die Neger wurden "farbig" und aus den ergreifenden Negro-Spirituals von Mahalia Jackson sülzige Gospels zur Ankurbelung des Weihnachtsgeschäfts.
Zigeunermusik liebte ich auch. "Zigeuner" sind jetzt aber Roma und Sinti. Und Mani Matters Eskimo, der sich für zwei Flaschen Lebertran ein noch gut erhaltenes Cembalo kaufte, ist jetzt ein Inhuit. Der reimt sich zwar auf kein auch nur halbwegs vernünftiges Musikinstrument mehr, dafür frisst ihn der Eisbär nun politisch korrekt. Warum haben die Neger, die Zigeuner und die Eskimos ihre stolzen Namen nicht behalten? Weil das Bleichgesicht diese negativ besetzt hatte.

Sarkozy

umgibt sich gerne mit seinesgleichen. Besucht er etwa eine Autofabrik, kommen dort nur die kleinsten unter den kleinen Mitarbeitern in den Genuss eines gemeinsamen Fotos mit dem französischen Staatsoberhaupt. So jedenfalls berichten in letzter Zeit die Medien. Wehe, wenn ihn eine(r) auch nur um einen halben Kopf überragt. Dann ist aber fertisch lustisch!
Ich weiss, ich weiss, man spottet nicht über die Körpergrösse eines Menschen. Und ich will es ja auch gar nicht tun. Ist einer dick, kann er abnehmen. Ist einer dumm, ist er wenigstens glücklich. Aber an Körpergrösse zulegen? Ist schon schwieriger. Die Präsidentengattin trägt ja nur noch Schuhe mit flachen Absätzen. Und der Patron die Highheels. Ja, aber warum steht er nicht einfach zu seinen Massen? Napoleon z.B. war ja auch klein.

Die Deutschen

Ich kenne auch nette Deutsche, sicher. Typisch, habe ich allerdings bei folgender Geschichte gedacht, ja, typisch. Und die Geschichte geht so:
Da steht in einem Berliner Kaufhaus ein Kind an der Kasse und soll einen Euro fünfzig Bezahlen für eine leckere Schleckerei. Nun hat das Kind aber nur einen Euro fünfundvierzig dabei. Der nette Herr, der in der Kolonne hinter dem Kind steht, wendet sich diskret ab. Und das Kind muss die Leckerei auf Geheiss der Kassenfrau ins Regal zurückstellen.

Tell war nicht so

Als Wilhelm Tell in Altdorf Gesslers Hut sah auf der Stange, verneigte natürlich auch er sich vor dem Habsburger Filz. Ist doch klar. Das ist ja eine völlig verdrehte Version, die wir da immer zu hören bekommen, die Geschichte mit dem stolzen Widerstand und so, meine ich. Der wahre Wilhelm Tell war ein friedlicher und unterwürfiger Eidgenosse, wie du und ich. Ein perfekter Dienstleister eben.

So wird ja dann später bei Schiller auch richtigerweise berichtet, wie Tell den Österreichern auf einer Bootsfahrt auf dem Vierwaldstättersee geduldig und voller Hingabe die Bergwelt erklärte. Bei der Landung des Schiffes muss dann wohl etwas schief gelaufen sein. Sowas kommt ja noch heute vor, beim Riverraften etwa. Und daraus hat der tückische Friedrich Schiller dem gutmütigen Touristenführer Tell natürlich sofort wieder einen Strick gedreht.

Horst Schlämmmer kann Kanzler!

In Deutschland gibt es nun den fast offiziellen Kanzlerkandidaten Horst Schlämmer. Ähnlichkeiten mit Hape Kerkeling, der den immer leicht verwahrlosten, um nicht zu sagen widerlichen Schlämmer spielt, weist dieser natürlich forsch zurück. Ist ja klar. Kerkeling ist ja ein sympathischer Commedian, der sogar als Frau eine echt gute Falle macht. Sowas muss Kanzlerkandidat Schlämmer doch abstossen.
Sätze sagt der ambitionierte Politiker dieser Tage an seiner Pressekonferenz allerdings, da lacht einem das Herz, da leuchtet wieder ein Hoffnungsschimmer am Horizont auf: "Die Jugend ist unsere Zukunft!" Ja, ist das nicht genial?

Blau wie der Himmel die Augen

Die Amerikaner haben ja ganz dicke geblufft, damals, 1969. Irgendwo in der Wüste Gobi haben sie ihre Plastikraumfähre aufgestellt und ein paar Fotos von der Mondlandung geknipst. Und unsereiner sass gutgläubig zu Hause vor dem Bildschirm und staunte.
Gut, ich war damals erst ein Jahr alt. Mir konnte man ja vieles erzählen. Aber weshalb auch immer skeptisch sein?

Fulvio Pelli

hält Urs Schwaller nicht für einen Romont. Toni Brunner hält Eveline Widmer-Schlumpf nicht für eine SVP-Politikerin.
Adrian Amstutz hält sich selber nicht für ein Richard Gere-Double. Peter Bodenmann meint, mit Pascal Couchepin habe sich der letzte Politiker aus dem Bundesrat verabschiedet. Auch in Deutschland behaupten böse Zungen, Frau Merkel sei zwar eine beachtenswerte Bundeskanzlerin, interessiere sich aber nicht für Politik. Und die Deutschen fühlen sich nach gut zwei Jahren Ratzinger auf dem Stuhl Petri nicht mehr als Papst.

Der bunte Frühling ist da!

Und die Mädchen und Frauen dürfen dem mit ihrer Kleidung auch Rechnung tragen. Wir Männer fallen ja schon auf, wenn wir einen etwas zu hell leuchtenden Streifen oder Punkt irgendwo auf unserer grauen Krawatte tragen.
Immerhin habe ich jetzt in der Sonntagspresse gelesen, dass es ganz verschiedene Typen schwuler Männer gebe, die ihre weichen Seiten schon lange nicht mehr nur meist eher abstossend tuntig zeigen dürfen. Welch ein Wandel. Welche Entspannung. Keine Comingout-Dramas mehr oder soziopolitischen Schürfdiskussionen in der Presse sondern einfach nur eine lockere schwule Modedebatte. Und die abgelichteten Typen sehen erst noch alle durchaus sympathisch aus. - Aber ich bin heterosexuell wie ein Stier, Himmel!

Ich bin jetzt auch auf Facebook

Ja, natürlich nicht mit meinem Pseudonym "August Nachtvogel" sondern mit meinem richtigen Namen "Rolf Muster", (ha, ha, das war ein Witz).
Schon erstaunlich, wen ich da alles treffe. Leider fast keine Kolleginnen und Kollegen meines Jahrgangs. Facebook ist etwas für Dreissigjährige. Und auf dem T-Shirt, das ich zu meinem letzten Geburtstag bekommen habe, steht ja: "Ich bin vierzig, bitte helfen Sie mir über die Strasse". Aber egal, ich war ja so lange in der Jugendarbeit tätig, dass ich da nun auf unzählige alte bekannte Gesichter stosse, so, dass es jetzt auf meinem PC heisst: "Andreas Amsel und August Nachtvogel sind jetzt Freunde".