Die Büchse der Pandora

wartet zurzeit gerade mit ihrer neuesten Krankheit auf, der Schweinegrippe. Und viel Leids hält sie wohl noch in ihrer Büchse verborgen, die schöne Pandora, die im Auftrag des Zeus von Hephaistos geschmiedete Jungfrau mit ihrem Herzen aus Eisen: Giraffenangina, Spatzen-Hirnhautentzündung, Biberfieber und Hunderheuma.

Im Mittelalter wäre der Ausbruch der Schweinegrippe wohl wieder einmal ein Grund gewesen, sich selber geisselnd, mit blutüberströmtem Rücken durch die Strassen wankend, Gott um Straferlass anzuflehen. Oder um die Angehörigen irgendeiner nicht zu hundert Prozent mit dem Christentum kompatiblen Religion für die Krankheit verantwortlich zu machen und abzuschlachten. Oder um wenigstens ein paar Hexen zu verbrennen. Aber wir haben es, spät aber immerhin, begriffen, dass unser Gott ein vergebender ist und kein strafender. Nein, kein eifersüchtiger Zeus ist mehr auszumachen, der den Menschen wegen ihrer Fähigkeit, nun selber auch mit dem Feuer umzugehen, mit Hilfe der Pandora eins auswischt. Nun gut, sage ich mir. Ist also kein strafender Gott mehr in Sicht, weit und breit. Was soll's; gestraft sind wir trotzdem. Fragt sich nur von wem. Fragen wir doch bei Gelegenheit mal einen Berliner Ethiker.

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