Es schneit. Oder es regnet. Und dies fast 3 Stunden lang.

Als Bladerunner vor mehr als 30 Jahren in die Kinos kam, waren die dystropische Perspektive und die überaus dunkel-düstere Bildsprache äusserst beeindruckend. Sie waren in dieser Form neu und beinahe schockierend. Der Fortsetzung des Films gelingt es, hier anzuknüpfen und einer Kinowelt, die den Cyberpunk gewöhnt und der pessimistische Sicht auf die Zukunft schon bald überdrüssig ist, eine Vision zu präsentieren, die noch immer verstörend ist. Niemand lacht, niemand weint, es scheint keine Sonne, und wenn es nicht regnet, dann schneit es. Der Himmel, die ganze Luft, ist entweder giftig gelb-orange oder staubig grau. Und dies nicht abschnittweise, sondern durch den ganzen, langen Film hindurch.

 

Es ist eine Welt, in der künstliche Organismen die schmutzige Arbeit für die Menschheit macht, ohne dass diese dadurch glücklicher wird. Die neuen Modelle sind folgsam und zurückhaltend, aber noch immer gibt es alte Versionen, und die sind rebellisch und eigensinnig. Darum setzen ihnen Bladerunner – Kopfgeldjäger – nach, um sie zu eliminieren. Ironischerweise wird auch diese Aufgabe von den Künstlichen erledigt. Officer K ist einer dieser Jäger, und er erledigt seinen Job gut, bis er merkt, dass die alten Modelle etwas verheimlichen. Es entspannt sich eine leider nur mässig spannende Geschichte darum, wer das Geheimnis zuerst lüftet und wer wen wie ausfindig machen kann. Dabei wird der alte Bladerunner Deckard – gespielt vom alten Harrison Ford, wie schon vor 30 Jahren – als Schlüsselfigur wider Willen und Wissen identifiziert. Aber eben: Richtig spannend wird es nicht, weil das Geheimnis relativ bald offensichtlich ist, und weil der Film gar nicht viel zu erzählen hat.

 

Die Bildsprache allgemein und dann vor allem die detaillierte Darstellung einer Welt nach dem ökologischen, ökonomischen und technologischen Kollaps ist überwältigend, richtiggehend faszinierend. Endlich ein Film, der in der 3D-Fassung besser ist als in 2D, aber man wird den Eindruck nicht los, dass der Regisseur selbst trunken wurde von seinen Visionen und darüber den Sinn für ein gehaltvolles Drehbuch verloren hat. Schade.

 

Die Schauspielerischen Leistungen sind schwer zu beschreiben: Wer einen künstlichen Organismus spielt, zeigt keine Gefühle, und das macht es etwas langweilig. Harrison Ford ist mürrisch wie immer, und über den Rest der Crew lässt sich nicht viel sagen, weil der Regisseur der Kritik ein Spoilerverbot auferlegt hat.

 

Soll man sich das anschauen? Wegen der visuellen Effekte auf jeden Fall. Wegen der Geschichte an sich kaum, da lohnt sich ein gutes Buch über die Fragen der Identität mehr.

 

 

Regie: Denis Villeneuve

Cast: Harrison Ford, Ryan Gosling, Ana de Armas, Sylvia Hoeks, Robin Wright, Jared Leto Carla Juri.

 

Sprache: Edf
Version: 3D
Länge: 152 Min.
Kinostart: 5. Oktober 2017

 

Sony Pictures, im Auftrag Im Auftrag von Paterson-Entertainment AG. Bildrechte dort.

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