Wie geht es nach zwei Jahren Flüchtlingsarbeit den Helfern?

„Wir machen weiter – Wie geht es nach zwei Jahren Flüchtlingsarbeit den Helfern?“ fragt die Sendereihe „Gott und die Welt“, am Sonntag, 18. Juni 2017, um 16:30 Uhr in der ARD – Das Erste.

In der baden-württembergischen Gemeinde Frickenhausen leben mittlerweile 75 junge Männer aus Gambia und etliche syrische Familien. Suse und Roland, Eckardt und Antonie und der gesamte Arbeitskreis Integration haben im März 2015 die ersten Flüchtlinge herzlich aufgenommen. Von Herbst 2015 bis Frühjahr 2016 hat der SWR einen ersten Film dort gedreht und ihr Engagement um die Flüchtlinge dokumentiert. „Wir geben nicht auf“, war ihr Motto nach turbulenten Monaten.

Ein Jahr später sind ist das SWR-Team wieder in Frickenhausen. Die Ehrenamtlichen ernten mit den Flüchtlingen zusammen Äpfel. Gemeinsam Sinnvolles tun … wunderbar! Alle sind freudig dabei. Aber Roland, einer der Helfer, klagt: „Seit 19 Monaten sind sie hier und man weiss immer noch nicht, ob sie bleiben dürfen oder nicht“, das kann er nicht verstehen. Roland kümmert sich nach wie vor mit um die Unterkünfte und seine Frau Suse managt die Kleiderkammer. Eckardt gibt Deutsch und rennt wie Antonie, die Frau des Pfarrers, auf die Ämter. Aber der Wind ist rauer geworden. „Zäh und zermürbend“ sei ihr Job, sagen sie. Wochenlanges Warten um Arbeits- und Ausbildungsgenehmigungen. Für Arbeitgeber, Flüchtlinge und Ehrenamtliche zu lange. Die meisten der Gambier sind nach zwei Jahren nach wie vor ohne Arbeit und ohne Ausbildungsplatz und total frustriert.

Wie lange können wir noch den sozialen Frieden in der Gemeinde wahren, fragt sich Eckardt. Er, der immer Ansprechpartner für alle war, hat mittlerweile drei Tage pro Woche als privat erklärt, um seine Kräfte zu schonen. Antonie weiss sich von ihrem Mann unterstützt. Für ihn als Pfarrer ist das Engagement ein Gebot der christlichen Nächstenliebe. Aber Antonie sehnt sich nach mehr Zeit für die Familie und sucht nach Lösungen. Roland und Suse freuen sich über ungebrochene Spendenbereitschaft. „Wir haben die Afrikaner nicht gerufen, aber jetzt sind sie da, und wir müssen sie versorgen, wie alle anderen Bedürftigen auch. Die Jungs wollen alle arbeiten und Geld verdienen und niemandem auf der Tasche liegen.“

Umso grösser ist die Freude, wenn einer der Gambier in einem Job unterkommt oder eine berufsvorbereitende Schule besuchen kann. Aber es stehen auch Abschiebungen im Raum, womöglich nach Gambia, sorgen sich die Helfer. „Wir machen uns mitschuldig, wenn dort einer getötet wird“, sagt Eckardt im Hinblick auf den Diktator in Gambia. Als durch Wahlen Jammeh abgewählt wird und mit der Staatskasse das Land verlässt, beginnen in Frickenhausen ganz neue, zukunftsweisende Überlegungen.

Quelle: ARD – Das Erste, Copyright Bild: © SWR

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.